Gesundheitsförderung

Gesundheitsförderung im Betrieb

Gesund zu leben ist in. In der Freizeit sind Fitness und Wellness nicht nur voll im Trend, sondern mittlerweile auch ein Wirtschaftsfaktor. Gesunde Ernährung nicht mehr länger verpönt und Gesundheitsbücher sind mittlerweile Bestseller.

Gesundheitsbewusster Leben ist modern und für viele Menschen untrennbar mit ihren Vorstellungen von Lebensqualität verbunden.

Das gestiegene Gesundheitsbewusstsein macht natürlich auch nicht vor den Betriebstoren nicht Halt. In den letzten Jahren setzen Unternehmen zunehmend Maßnahmen der betrieblichen Gesundheitsförderung (BGF). Man hat gelernt Arbeitsbedingungen zu hinterfragen, arbeitsbedingte Beschwerden und Erkrankungen nicht mehr einfach so hinzunehmen. Und das ist gut so. Denn genau hier sollen die Maßnahmen der Beruflichen Gesundheitsförderung ansetzen: Die Verbesserung der Gesundheit und des Wohlbefindens am Arbeitsplatz zu erlangen.

Gelegentlich wird BGF jedoch so verstanden, dass Symptome und nicht Ursachen bekämpft werden. Es genügt allerdings nicht die Rückenleiden der Bildschirmarbeiter mit spezieller Rückenschule zu mildern, wenn die falsche Gestaltung des Arbeitsplatzes zwangsläufig zu diesen Leiden führt.

Für Experten setzen Maßnahmen der BGF bei der Verhältnisprävention (Ursachenbekämpfung) an, selbstverständlich ergänzt um die Verhaltensprävention (Bekämpfung der Symptome).

Die beste Grundlage für BGF-Maßnahmen bieten die Ergebnisse der Ermittlung und Bewertung der Gefahren und Belastungen der Arbeitsplätze (Evaluierung). Für viele Gemeinden ist dieses Instrument ja erst durch die allmähliche EU-konforme Angleichung der Bedienstetenschutzgesetze möglich geworden. Fachkundige Hilfe bieten Arbeitsmediziner, Arbeitspsychologen, Sicherheitsfachkräfte und Sicherheitsvertrauenspersonen, wie sie das Arbeitnehmerschutzgesetz und die Bedienstetenschutzgesetze der einzelnen Bundesländer vorsehen.

Die grundsätzlichen Ziele von BGF sind Krankheiten am Arbeitsplatz vorzubeugen, die Gesundheit zu stärken und das Wohlbefinden der Arbeitnehmer zu verbessern. Die Zielsetzungen bestehen in der Schaffung von menschenwürdigen und menschengerechten Arbeitsplätzen.

Im Wesentlichen ist BGF als eine Organisationsentwicklungsstrategie zu begreifen. BGF orientiert sich so nah wie möglich an jenen Faktoren der Arbeitswelt, die Krankheiten auslösen können. Da der Gesundheitszustand der Beschäftigten natürlich auch vom persönlichen Lebensstil und vom Risikoverhalten abhängt, kann bei BGF-Projekten der Verhaltensförderung durchaus Aufmerksamkeit geschenkt werden.

Ein wesentliches Merkmal erfolgreicher BGF-Projekte stellt die aktive Beteiligung der Beschäftigten am Projektablauf dar. Den Bediensteten bietet sich dabei die Möglichkeit aus ihrer Erfahrung heraus Verbesserungspotentiale unmittelbar aufzuzeigen und Problemlösungen zu entwickeln. Der Dienstnehmer übernimmt somit die Rolle des Experten. BGF ermöglicht folglich eine WIN-WIN-Situation und bringt sowohl den Beschäftigten als auch der Gemeinde eine Reihe von Vorteilen.

Generell zielt die BGF auf die Verbesserung der Gesundheit und Lebensqualität der Beschäftigten ab.
Die folgende Tabelle gibt eine beispielhafte Übersicht möglicher positiver Effekte für die Belegschaft und die Vorteile für die Dienstnehmer:

  • generell Verringerung individueller gesundheitlicher Risikofaktoren,
  • Reduzierung gesundheitlicher Risiken auch für das Auftreten chronischer Krankheiten und damit längerfristig für Frühinvalidität,
  • Verbesserung des individuellen Wohlbefindens,
  • Erweiterung der Fähigkeiten im Umgang mit Belastungen und der Fähigkeit, mit spezifischen Problemen besser umzugehen,
  • Erhöhung der Kompetenz der Beschäftigten in Gesundheitsfragen,
  • Verbesserung der Arbeitszufriedenheit und Arbeitsmoral,
  • Verbesserung der Kommunikation in Gesundheitsfragen im Betrieb,
  • Verbesserung der Beziehung der Beschäftigten untereinander und
  • ein erhöhtes Selbstwertgefühl.

Grundsätzlich geht es bei BGF in erster Linie um die Gesundheit und verbesserte Lebensqualität der Beschäftigten und nicht um einen zusätzlichen Gewinn für das Unternehmen! Dennoch fragen die Unternehmen nach dem effizienzfördernden Potential solcher Maßnahmen, also nach der Rentabilität der eingesetzten Mittel. Obwohl es sehr schwierig ist, die positiven monetären Auswirkungen der Gesundheitsförderung in harte Zahlen zu fassen, gibt es viele Hinweise für entsprechende Zusammenhänge. Der überwiegende Teil betrieblicher Fehlzeiten ist ja krankheitsbedingt.

Die Effizienz und Qualität öffentlicher Dienstleistungen hängen angesichts immer komplexer werdender Technik und flexiblerer Fertigungstechnologie sowie Organisationsformen stark von seinen Humanfaktoren ab. Sämtliche dokumentierten Programme bestätigen indirekte Wirkungen wie verbesserte Arbeitsmoral, verringerte Fluktuation oder ein verbessertes Firmenimage. Und tatsächlich nennen Unternehmen laut europäischen Untersuchungen bei innovativen Maßnahmen im Arbeits- und Gesundheitsschutz den Imagenutzen für die Firmen fast gleich oft wie den gesundheitlichen Nutzen. Auch die Vorteile aus einer damit verbundenen Verbesserung des Betriebsklimas werden noch vor die Verringerung von Fehlzeiten gereiht.

Beispiele für Vorteile für die Dienstgeber:

  • Förderung der Kommunikationsstrukturen und -prozesse sowie des Innovationsklimas im Betrieb,
  • Steigerung von Arbeitszufriedenheit, Einstellungswandel und Motivation der Beschäftigten sowie Identifikation mit dem Betrieb,
  • Verbesserung des Betriebsklimas,
  • Verhaltensänderungen bei den Beschäftigten,
  • Fehlzeitenreduzierung bzw. Verminderung von Krankenständen bei den Beschäftigten,
  • Verringerung der Fluktuationsrate bei den Beschäftigten, damit weniger innerbetriebliche "Reibungs"-verluste,
  • Veränderte Risikowahrnehmung bei den Beschäftigten,
  • Strukturelle und ähnliche Verbesserungen verschiedenster Art, wie:
    o technische Änderungen zur Arbeitserleichterung (z. B. Hebehilfen),
    o organisatorische Zuständigkeitsänderung (z. B. Aktualisierung der Maschinenpläne),
    o organisatorische Ablaufänderungen (z. B. bei der Bänderbesäumung),
    o Normenänderungen (z. B. sitzende Arbeitshaltung an bisherigen Steh-Arbeiten).

Qualitätskriterien erfolgreicher BGF

Die sechs vom "Europäischen Netzwerk Betriebliche Gesundheitsförderung" erstellten Qualitätskriterien lauten:

1. Unternehmenspolitik: BGF muss als Führungsaufgabe wahrgenommen und in bestehende Managementsysteme eingebunden werden. Eine schriftliche Leitlinie zur BGF sollte ebenso vorhanden sein wie der Wille der Führungskräfte, diese auch organisatorisch umzusetzen, die notwendigen Mittel bereitzustellen und den Fortschritt bei der Umsetzung regelmäßig zu prüfen.
2. Personalwesen und Arbeitsorganisation: Die wichtigste Aufgabe gesundheitsgerechter Personalführung und Arbeitsorganisation besteht darin, die Fähigkeiten der Menschen bei der Arbeitsgestaltung zu berücksichtigen. Für den Erfolg BGF ist dabei ausschlaggebend, dass alle Beschäftigten möglichst weitgehend an den Planungen und Entscheidungen beteiligt werden.
3. Planung: BGF ist dann erfolgreich, wenn sie auf einem klaren Konzept basiert, das fortlaufend überprüft, verbessert und allen Beschäftigten bekannt gemacht wird.
4. Soziale Verantwortung: Für den Erfolg BGF ist auch entscheidend, ob und wie die Organisation ihrer Verantwortung im Umgang mit den natürlichen Ressourcen gerecht wird. Soziale Verantwortung schließt
die Rolle der Organisation auf lokaler, regionaler, nationaler und supranationaler Ebene in Bezug auf die Unterstützung gesundheitsförderlicher Initiativen ein.
5. Umsetzung: BGF umfasst Maßnahmen zur gesundheitsgerechten Arbeitsgestaltung und Unterstützung gesundheitsgerechten Verhaltens. Erfolgreich ist sie dann, wenn diese Maßnahmen dauerhaft miteinander verknüpft sind und systematisch durchgeführt werden.
6. Ergebnisse: Der Erfolg BGF kann an einer Reihe von kurz-, mittel- und langfristigen Indikatoren gemessen werden, z. B. Parteien- oder Kundenzufriedenheit, Zufriedenheit der Beschäftigten, Krankenstand, Unfallhäufigkeit, Motivation, Personalfluktuation, Produktivität, um nur einige zu nennen.

Instrumente der BGF
BGF muss bei der methodischen Planung und Durchführung darauf ausgerichtet sein, wie die Arbeit innerbetrieblich organisiert ist, und dies für ihre Ziele nützen. Gerade weil BGF außer dem Lösen von Problemen immer auch Organisationsentwicklung bedeutet, sind Projekte eine sehr geeignete
Methode und Form für die Durchführung einer umfassenden BGF.

Zur Abwicklung von BGF-Projekten steht ein ganzes Bündel möglicher Instrumente zur Verfügung:

  • Steuerungsgruppe: Vor Beginn eines BGF-Projektes wird diese eingerichtet. Sie unterstützt und begleitet das Vorhaben.
  • IST-Analyse: In der BGF kommt der Ermittlung der bestehenden Arbeits- und Arbeitsumweltbedingungen sowie der Gesundheitsrisiken der Beschäftigten als Ausgangsbasis für notwendige Maßnahmen zentrale Bedeutung zu.
  • Gesundheitszirkel: Viele moderne Unternehmen haben längst erkannt, dass die Kenntnisse und Fähigkeiten der Belegschaft genützt werden können, um Qualität und Produktivität zu steigern und die Kosten zu senken. Die Beteiligung der Beschäftigten verbessert Gesundheit und Arbeitssicherheit im Betrieb.
  • Gesundheitsbericht: Der Gesundheitsbericht liefert die Informationsgrundlagen für unternehmensbezogene Arbeitsschutzaktivitäten, Maßnahmen der BGF und Zwecke der betrieblichen Personal- und Sozialpolitik.
  • Erfolgsmessung: Die Bewertung ist der systematische Versuch, in einem kontinuierlichen Prozess aus Erfahrungen zu lernen und die Prüfung der Wirksamkeit durchgeführter Maßnahmen, Programme, Projekte. Man unterscheidet dabei die Effektivitätskontrolle (In welchem Ausmaß wurden die Ziele einer Maßnahme erreicht?) und die Effizienzkontrolle (In welchem Verhältnis stehen Aufwand und Ertrag einer Maßnahme?).  

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