Mobbing und Konflikte

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Über Mobbing wird viel gesprochen und doch herrscht meist wenig Klarheit darüber, was Mobbing wirklich ist.

Der Begriff Mobbing läuft Gefahr, zu einem Modewort für jeden Streit oder Konflikt am Arbeitsplatz zu verkommen.

Von "normalen" Konflikten und Streitereien unterscheidet sich Mobbing dadurch, dass es gezielt, systematisch und über einen längeren Zeitraum mit der Absicht "Ausgrenzen bzw. Vertreiben vom Arbeitsplatz" betrieben wird.

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Studien über die Anzahl der Mobbingbetroffenen sind immer nur Schätzwerte. Es wird angenommen, dass die Dunkelziffer bei Befragungen ziemlich hoch ist - wer gibt schon gerne zu, dass er/ sie von Mobbing betroffen ist? Der Grad der Sensibilisierung der Bevölkerung spielt eine gewisse Rolle. Weil Mobbing viele Gesichter hat.

Vom Konflikt zur Mobbing-Falle

Mobbing entsteht dort, wo dauernd schwelende Konflikte "unter den Teppich gekehrt" werden. Irgendwann geht es nicht mehr um inhaltliche Differenzen, sondern die andere Person wird als Ursache der fest gefahrenen Situation betrachtet - von dort ist es oft nur ein kleiner Schritt zum Mobbing.

Nach den Befragungen des deutschen Mobbing-Reports konnten keine Aussagen über "typische" Mobbingbetroffene gemacht werden. Allerdings können persönliche Verhaltensweisen, wie beispielsweise ein konstruktiver Umgang mit Konfliktsituationen und hohe soziale Kompetenz, den Ablauf von Mobbing bereits im Anfangsstadium unterbrechen. Generell sind es aber weniger die persönlichen Merkmale, als die betrieblichen Rahmenbedingungen, die Mobbing vorbeugen bzw. begünstigen.

Indikatoren, die Mobbing im Betrieb begünstigen, sind:

schlechtes Arbeitsklima, Defizite im Führungsverhalten, wie zum Beispiel eine mangelnde Gesprächsbereitschaft von Vorgesetzten oder konfliktscheue Vorgesetzte, Unzufriedenheit mit der Arbeitsorganisation, sprich: Stress und Termindruck, unklare Zuständigkeiten oder intransparente Entscheidungsvorgänge, starre Hierarchien, Angst um den Arbeitsplatz, Umstrukturierungen der Abteilung oder des Betriebs.

Österreich: 200.000 sind betroffen

Laut Fourth European Working Conditions Survey (Dublin-Foundation) sind EU-weit und in Österreich fünf Prozent im letzten Jahr von Mobbing betroffen gewesen. In Österreich allein ergibt das hochgerechnet eine Zahl von über 200.000 Mobbingbetroffenen. Etwas mehr Frauen als Männer sind Mobbingbetroffene. Etwas mehr Männer als Frauen sind MobberInnen. Laut dem deutschen Mobbing-Report (2002) sind 11,3 Prozent der Befragten im Laufe ihres Arbeitslebens mind. 1x von Mobbing betroffen gewesen - d.h. jede neunte Person wurde im erwerbsfähigen Alter schon einmal gemobbt.

Mobber kosten Millionen pro Jahr

Schätzungen reichen von EUR 50.000 bis 70.000 pro Jahr, pro Mobbingfall. Verursacht werden die Kosten von Mobbing durch erhöhte Fehlzeiten, verringerte Arbeitsleistung der Mobbingbetroffenen und Mobber, Versetzungen und Umschulungen oder gar Kündigungen und damit verbunden die Einschulung neuer MitarbeiterInnen.

Länger und öfter im Krankenstand

Im deutschen Mobbing-Report gaben 20 Prozent der Mobbingbetroffenen an, aufgrund von Mobbing mehr als sechs Wochen im Krankenstand gewesen zu sein. Auch die Fourth Working Conditions Survey ergab, dass Mobbingbetroffene v. a. bei den über 60-tägigen Krankenständen überrepräsentiert sind.

Was kann man tun?

Prinzipiell empfiehlt es sich, die Mobbingvorfälle in Form eines "Mobbingtagebuchs" genau zu dokumentieren. Dieses Mobbingtagebuch ist oft die einzige Beweissicherung für Mobbingvorfälle. Mobbingbetroffene sollten sich ein "soziales Netzwerk" aus Gesprächs- und Bündnispartner-Innen im privaten wie im beruflichen Umfeld suchen. Im weit fortge-schrittenen Mobbingprozess ist therapeutische Unterstützung notwendig.

Eine rechtliche Handhabe gegen Mobbing gibt es in Österreich noch nicht. Sollte im Zusammenhang mit Mobbing auch Diskriminierungen aufgrund des Geschlechts, einer Behinderung, der Religion, der Ethnie oder der sexuellen Orientierung vorliegen, kann allerdings im Rahmen des Gleichbehandlungsgesetzes die Gleichbehandlungsanwaltschaft eingeschalten werden.

Nicht nur die Gesundheit leidet

Welche Auswirkungen zwischenmenschliche Beziehungen in der Arbeitswelt auf die psychische und physische Gesundheit haben, wurde bisher wenig untersucht - meist werden körperliche Symptome behandelt, die Wurzel des Problems aber nicht erkannt. Charakteristisch für Mobbingbetroffene sind häufige Krankenstände mit Magen- und Darmproblemen, Kopfschmerzen, Schlafstörungen, Depressionen etc.

Mobbing hat aber auch Auswirkungen auf betriebswirtschaftlicher Ebene. Nicht nur vermehrte Krankenstände sind die Folge von Mobbing, sondern auch der Verlust vieler Zeit- und Energieressourcen.

Was tun im Fall von Mobbing?

Arbeitgeber müssen aufgrund ihrer Fürsorgepflicht eingreifen, wenn sie mit Mobbingvorfällen im Betrieb konfrontiert sind. Auch BetriebsrätInnen und PersonalvertreterInnen können und sollen die Interessen von Mobbingbetroffenen wahrnehmen. Bei der Unterstützung von Mobbing-betroffenen müssen folgende Grundsätze eingehalten werden:

- Die Mobbingbetroffenen sollen ihre Bedürfnisse selbst formulieren und aktiv an Lösungsvorschlägen mitarbeiten. Es sollten keinesfalls ohne Wissen der Mobbingbetroffenen Entscheidungen getroffen und Maßnahmen gesetzt werden.

- Die Ursachen für das entstandene Mobbing müssen genauer unter die Lupe genommen werden, und möglichen Motiven der MobberInnen muss nachgegangen werden.

- Lösungsvorschläge sollten immer mit allen Beteiligten gemeinsam erarbeitet werden.

- Externe Hilfe in Anspruch nehmen, wie zum Beispiel MobbingberaterInnen oder SupervisorInnen.

Besser Vorbeugen als Nachsorgen

Vorbeugen, und Mobbing damit bereits im Anfang verhindern, ist daher die beste Lösung. Um Mobbing vorzubeugen, müssen Arbeitgeber, Personalvertretung und Betriebsrat für das Thema sensibilisieren, zum Beispiel in Form von Voll- und Teilversammlungen oder in MitarbeiterInnen- und Führungskräfteschulungen. Mobbinghandlungen müssen im Unternehmen als verpönte Praktiken verurteilt und auch geahndet werden - zum Beispiel im Rahmen einer Dienst-/Betriebsvereinbarung. Gleichzeitig soll im Unternehmen ein offenes Gesprächsklima gefördert werden, in dem Konflikte unter ArbeitskollegInnen angesprochen und gelöst werden können.

Politische Forderungen

Aus Sicht des ÖGB sollte die Vermeidung von Mobbing als Gesundheitsziel im ArbeitnehmerInnenschutz- und Bedienstetenschutz-Recht verankert werden. ArbeitsmedizinerInnen und ArbeitspsychologInnen sollen verpflichtet werden, die Belegschaft zum Thema Mobbing aufzuklären und Maßnahmen zur Mobbingprävention umzusetzen. Eine weitere Möglichkeit wäre die Festschreibung einer erzwingbaren Betriebsverein-barung in § 97 des Arbeitsverfassungs-Gesetzes zum Thema Gesundheit am Arbeitsplatz.

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